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Auswirkungen des Halterverhaltens auf den Hund bei Konfrontation mit einem fremden Menschen

Petra Neessen hat 2013 in ihrer Masterarbeit an der schwedischen Landwirtschaftsuniversität in Skara verschiedene Formen der Reaktion des Hundehalters auf die Begegnung mit einem Fremden getestet und die Auswirkungen auf den Hund studiert. Hundehalter, die sich bei ihrer Begegnung mit dem Fremden passiv verhielten und den Hund ignorierten, förderten beim Hund insgesamt eher kühnes, vorwärts orientiertes Verhalten oder auch das Anschauen des Fremden und das abwechselnde Wegschauen. Eine stärkere Auslösung von aktivem Vermeiden, aber auch von Annährung an den Fremden war daher die Folge. Hundehalter, die aktive Unterstützung, also durch Berührung und/oder Ansprechen des Hundes boten, hatten bei allgemein im Verhaltensprofil unauffälligen Hunden eher den Erfolg, dass der Hund sich am Halter orientiert. Aktive Unterstützung verringerte also bei „normalen“ Hunden das Ausmaß von Konfliktverhalten gegenüber dem sich nähernden Fremden. Bei als aggressiv oder furchtsam eingestuften Hunden dagegen verstärkte die aktive Unterstützung des Menschen eventuell vorhandene einschlägige Verhaltenstendenzen des Hundes. Zudem war die Persönlichkeit des Hundehalters wichtig. Extrovertierte und/oder gewissenhafte Hundehalter reduzierten das Ausmaß des Konfliktverhaltens des Hundes, aktive Unterstützung durch introvertierte oder wenig gewissenhaftige Hundehalter verstärkte das Konfliktverhalten des Hundes. Hunde von freundlichen Haltern (hier war die Freundlichkeit zum Menschen als Persönlichkeitsachse gemeint) wurden mit zunehmender Wiederholung des Tests immer erregter und zeigten ein hohes Ausmaß an Vermeideverhalten. Hunde von neurotizistischen Hundehaltern zeigten mehr Furcht und Hunde von eher verschlossenen Menschen reagierten insgesamt weniger ruhig und gelassen auf die annähernde Fremdperson. Hundehalter, die ein starkes und gutes emotionales Band zu ihren Hunden zu Protokoll gaben, konnten durch aktive Unterstützung die Konfliktreaktionen des Hundes stärker dämpfen als Hundehalter, die ein schwächeres emotionales Band zu ihrem Hund angaben. Hundehalter, die ihren Hund als sehr kostspielig einstuften (was ebenfalls ein Hinweis auf eine eher qualitativ weniger wertvolle Beziehung ist), konnten durch ihre aktive Unterstützung des Hundes ebenso sein Konfliktverhalten weniger reduzieren als solche, denen der Hund die Kosten wert schien.

Die Untersuchung zeigt also, dass in Begegnungssituationen aktive Unterstützung seitens des Hundehalters durchaus eine positive Auswirkung haben kann, lediglich bei einigen, bereits in den Verhaltenstendenzen ohnehin „unerwünscht“ reagierenden Hunden müsste eventuell eine andere Strategie benutzt werden.