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Neues zum Sozialmanagement durch Versöhnung und Besänftigung bei Wölfen

Giada Cordoni und Elisabetta Palagi haben bereits mehrfach in der Vergangenheit über Versöhnungsverhalten sowie über den Einfluss der unterstützenden und tröstenden Interventionen dritter, unbeteiligter Wölfe berichtet. In einer neuen Arbeit (Aggressive Behavior 41, 526–536 2015) haben sie neue Erkenntnisse über die Verhaltensmechanismen bei Gehegewölfen aus einem italienischen Wildpark vorgelegt.

Es wurde deutlich unterschieden zwischen Einwirkungen unbeteiligter Dritter an einem Konflikt auf den Sieger bzw. auf den Verlierer der vorangehenden aggressiven Interaktion. Offenkundig werden die Wölfe, die mit dem Sieger bzw. dem Verlierer nach dem aggressiven Konflikt freundlich interagieren, von unterschiedlichen Handlungsbereitschaften angetrieben. Ein freundliches Verhalten gegenüber dem Opfer der vorangehenden Aggression hilft offensichtlich, dieses vor erneuten Attacken seitens des vorigen Aggressors zu schützen, und kann zusätzlich zu einer Verstärkung und Verbesserung der positiven Beziehung zwischen dem Opfer und dem tröstenden unbeteiligten Dritten führen. Freundliches Verhalten gegenüber dem Angreifer der vorangehenden Konfliktsituation dagegen schützt offensichtlich einerseits den Zuschauer davor, selbst Opfer vor Aggressionen des vorangehenden Angreifers zu werden, und hilft auch anderen unbeteiligten Dritten, diese umorientierte Aggression nicht erdulden zu müssen.

Die genannten Aktivitäten fanden allesamt im Zeitraum von ganz wenigen Minuten nach dem ursprünglichen Konflikt statt, und es wurden bewusst Handlungen, die nicht freundliches, sondern submissives Verhalten beinhalteten, nicht gewertet. Tatsächlich wirkte ein freundliches Verhalten eines unbeteiligten Außenstehenden gegenüber dem Opfer der ursprünglichen Attacke durchaus als Schutz und verringerte bzw. verhinderte die Wahrscheinlichkeit erneuter Attacken. Je stärker die Bindung bzw. die Beziehung zwischen dem Opfer und dem unbeteiligten Dritter war, desto häufiger wurde das Opfer auch getröstet. Freundliches Verhalten gegenüber dem Aggressor dagegen war u.a. von dessen Dominanzstatus abhängig. Überwiegend ranghohe, vorangehend aggressiv gehandelte habende Wölfe wurden mit diesen freundlichen Verhaltensweisen besänftigt, bei freundlichen Verhaltensweisen gegenüber dem Opfer einer Attacke dagegen gab es keine Rangabhängigkeiten zu finden.

Die genannten Untersuchungen zeigen einmal mehr die Komplexität sozialer Mechanismen bei Hundeartigen und sind ein weiterer Beleg für die hochstehenden sozial kognitiven Fähigkeiten. Vergleichbare Ergebnisse wurden bisher nur von Schimpansen und Bonobus in der gleichen Ausführlichkeit gefunden. [UG]