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Ansteckendes Gähnen bei Wölfen

Theresa Romero und Coautoren (PLoS one 9, (8), e105963) untersuchten die Frage der Stimmungsübertragung durch Gähnen bei Wölfen. Haushunde sind bekanntermaßen in der Lage, ebenso wie eine ganze Reihe von Primatenarten, durch Stimmungsübertragung auf menschliches Gähnen zu antworten. Die hier vorgestellte Studie zeigt dieselbe Fähigkeit auch bei Wölfen. Zudem zeigte sich, dass die Qualität der Bindung zwischen dem Vorgähner und dem betreffenden Wolf die Häufigkeit, mit der das Gähnen ansteckend wirkte, positiv beeinflusst hat. Auch bei Wölfen ist also möglicherweise die Anfälligkeit für diese Form der Stimmungsübertragung von der emotionalen Nähe abhängig. Weibliche Wölfe reagierten schneller als männliche, wenn sie das Gähnen von nahen Beziehungspartnern beobachteten, dies zeigt, dass sie möglicherweise allgemein auf soziale Reize ansprechbarer sind.

Die Beobachtungen wurden an einer Familiengruppe von Wölfen in einem japanischen Zoo durchgeführt.

Die Fähigkeit, Gähnen in Form einer Stimmungsübertragung als möglichen Anzeiger für emotionale Gestimmtheit naher Sozialpartner zu nutzen, ist also möglicherweise ein älteres Säugetiererbe (zumindest für in Gruppen lebende Tiere) als bisher angenommen. Zumindest aber scheint es in der Familie der Hundeartigen entstanden zu sein und nicht erst im Zuge der durch die Domestikation besonders engen Nähe zwischen Haushund und Mensch. [UG]