Einzelfelle Logo Tiermedizinische Beratung
Rudelstrukturen in Hundegruppen

Das Kindchenschema übertönt alles

Julie Hecht und Alexandra Horowitz (Anthrozoös 28 (1), 153-163, 2015) haben 124 Menschen 80 verschiedene Bildpaare von Hundegesichtern vorgelegt. Es handelte sich dabei immer um Mischlinge, und die Anforderung an die menschlichen Teilnehmer war, dasjenige auszuwählen, das ihnen besser gefällt. In allen Fällen handelte es sich um Bildpaare des gleichen Hundes, wobei eines davon in seiner Form unmerklich leicht verändert worden war. So wurde beispielsweise die Augengröße, die Augenstellung, die Mundwinkelposition oder die Symmetrie des Bildes verändert. Ausgangsfragestellung war überwiegend, ob Hunde, deren Gesichtsausdruck dem von Konrad Lorenz postulierten Kindchenschema besser entsprechen, von den TeilnehmerInnen der Studie auch besser eingeschätzt werden.

In der Tat zeigte sich, dass einige Veränderungen des Bildes, die entweder speziell dem Kindchenschema oder allgemein menschlicheren Gesichtszügen entsprachen (große Augen, größerer Augenabstand, farbige Iris im Auge oder ein leicht lächelnd aufwärts gekrümmter Mundwinkel) von den Menschen als sympathischer und bevorzugenswert eingestuft wurden. Bevorzugungen von Größe, Symmetrie, oder von Hunden, die stärker vom Wolfstyp abwichen und damit eine höhere Domestikationsstufe repräsentieren könnten, waren dagegen nicht festzustellen. Die Untersuchung zeigt also, dass die Einschätzung der Hundegesichter durch die teilnehmenden Menschen durchaus ästhetische Vorstellungen widerspiegelt, und dass dies ein wichtiger Faktor zum Beispiel bei der Vermittlung von Hunden aus Tierheimen sein kann. [UG]