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Neue interessante Jagdgemeinschaft von Hundeartigen

In einer gerade veröffentlichten Arbeit im Journal of J. Mammal 96 (1): 192-197 2015 berichtet eine Autorengemeinschaft rund um Vivek Venkataraman über Jagdgemeinschaften zwischen Dscheladas, auch Blutbrustpaviane genannt, und äthiopischen Wölfen.

Der äthiopische Wolf, der nächste lebende Verwandte des Grauwolfs und damit sozusagen der Onkel des Haushundes, ist schon seit längerem im Fokus von verhaltensökologischen Untersuchungen. Er ernährt sich überwiegend von unterirdisch lebenden Nagetieren, großen Wühlmausverwandten. Nun wurde gezeigt, dass einzeln auftretende äthiopische Wölfe in Gegenwart oder sogar mitten in einer größeren Horde von Dscheladas einen sehr viel höheren Jagderfolg auf diese Nagetiere haben als außerhalb einer solchen Dscheladahorde. Die Dscheladas sind sehr wehrhafte, durchaus im Umgang mit potentiellen Fressfeinden nicht zimperliche Affen, die sich überwiegend von Gräsern und Wurzeln ernähren. Gerade die großen, mit starken Eckzähnen bewaffneten Männchen, aber auch die gemeinsam agierenden Weibchen sind durchaus in der Lage, einen Fressfeind in die Flucht zu schlagen.

Um negative Assoziationen zu vermeiden, sind die äthiopischen Wölfe offensichtlich in einem gezielten Habituationsprogramm unterwegs. Sie nähern sich betont in einer nicht bedrohlichen, ohne Droh- oder Jagdverhalten gezeigten Art und Weise und gewöhnen die Dscheladahorde langsam an ihre Anwesenheit. Sobald sie mitten zwischen den Affen agieren können, steigt dann deutlich der Jagderfolg. Im „Gegenzug“ verzichten sie ganz deutlich auf die Jagd auf kleine oder halbwüchsige Dscheladas, die für sie als Beutetiere durchaus in Frage kämen.

Diese neuartige und aufregende Jagdgemeinschaft zeigt einmal mehr, dass gerade Hundeartige offensichtlich von jeher ökologisch für die Zusammenarbeit mit anderen Tierarten disponiert sind. Die Fähigkeit, dadurch dann zum Jagdgehilfen des Menschen zu werden, ist dem Hund also möglicherweise bereits von seinen Vorfahren übertragen worden. (UG)