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Seitenabhängigkeit und Kommunikation zwischen Mensch und Hund – es wird immer spannender

In den letzten Wochen wurden erneut zwei sehr interessante Veröffentlichungen bekannt, die sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und Hund in verschiedenen Situationen beschäftigten. Beide Arbeiten stammen aus dem Max Planck Institut in Leipzig.

In der ersten Untersuchung (Nitzschner, M. et al. Anim. Behav.90, 263–271. 2014) wurde der bereits bekannte Versuch wiederholt, indem zwei Menschen am Tisch sitzen, einer den anderen um Futter anbettelt, und dann hinterher beide Menschen belohnen möchten. Die bisherigen Untersuchungen zeigten, dass Hunde kaum Leckerli annahmen von Menschen, die vorher ihren bettelnden Artgenossen nicht mitessen ließen. Die neuen Untersuchungen von Marie Nitzschner und Mitarbeitern lassen dies in einem etwas anderen Licht erscheinen. Wenn nämlich im Laufe des Versuchs die beiden beobachteten Menschen die Plätze tauschten, tendierte der Hund mehr zu einer Seitenstetigkeit. Das heißt er näherte sich meistens der Seite an, auf der die Person saß, die vorher ihren Artgenossen mitessen ließ, unabhängig davon, ob nun immer noch der gütige Geber, oder inzwischen der Egoist auf dieser Stelle saß. Es zeigt sich also, dass Hunde offensichtlich bestimmte Orte mit der Beobachtung von Futterbelohnung assoziieren, auch wenn diese Futterbelohnung nicht ihnen, sondern einem beobachteten Menschen galt. Die Seitenstetigkeit lässt also erkennen, dass Hunde Orte als besonders lohnenswert mit bestimmten Aktionen, die sich beobachten, assoziieren können.

In einer zweiten Untersuchung ging es darum, die Richtung menschlicher Stimme als einen Hinweis auf mögliche Futterbelohnung zu nutzen. Die Experimentatorin stand hinter einer Wand, der Hund konnte sie nur hören, aber nicht sehen. Dann sprach sie, mit freudig erregtem Ton, in Richtung eines von zwei, für den Hund sichtbaren Futtercontainers. Wenn sie tatsächlich deutlich gezielt in Richtung eines Futtercontainers sprach, nutzte der Hund in der Regel diese Information dazu, aus diesem Futtercontainer das Futter zu holen. Ähnlich wie Blickkontakt und Fingerzeig ist also offensichtlich auch gerichtetes Sprechen für den Hund ein deutlicher Hinweis darauf, sich an bestimmten Stellen um Futter oder andere, für ihn interessante Dinge zu kümmern. Nochmals betont werden muss, dass der Hund die Körperhaltung und Ausrichtung der Experimentatorin dabei nicht sehen konnte, er konnte sich nur auf sein Richtungshören verlassen. (Rossano, F. at al 2014, Proc. Roy. Soc. B 2013).