Einzelfelle Logo Tiermedizinische Beratung

Zusammenhänge zwischen Hormonlage, Ernährung und Bejagung beim Mähnenwolf

Auch wenn das Sozialsystem des Mähnenwolfs dem des Haushundes und seiner Vorfahren nur in Grundzügen ähnelt (Monogamie, und bisweilen väterliche Beteiligung bei der Jungtieraufzucht), sind einige Befunde über den Zusammenhang zwischen verschiedenen Hormonwerten und der Lebenssituation in Brasilien von Interesse. Carly Vynne und Coautoren (J. Mamal. 95, 696–706, 2014) untersuchten, wie sich in Schutzgebieten und in anderen Lebensräumen, die in unterschiedlich großem Abstand von geschützten Gebieten lagen, die Hormonwerte unterschieden. Im Kot wurden Abbauprodukte der Glucocorticoide, also des Cortisolsystems, der Schilddrüsenhormone und des Progesteron als sogenannten Schwangerschaftshormon gemessen. Je weiter die Mähnenwölfe von natürlichen Lebensräumen entfernt lebten, desto höher lag der Cortisolwert im Durchschnitt. Ganz besonders war dieser Anstieg während der Erntesaison zu vermelden. Die Schilddrüsenhormone waren in Gebieten mit mehr Getreideanbau höher, dort offensichtlich herrschten gute Nahrungsbedingungen. Die Progesteronwerte letzten Endes bei Weibchen waren in den Nationalparks höher als außerhalb des Parks, was auf einen höheren Fortpflanzungserfolg der Fähe in den Nationalparks als außerhalb hindeutet.

Die genannten Befunde sind nicht nur für den Naturschutz des Mähnenwolfs von Interesse. Auch die hier erstmals im Zusammenhang mit Verhaltenssituationen und jahreszeitlichen Umweltbedingungen gemessenen Werte für Schilddrüsenhormone lassen durchaus einige Hinweise auf die ähnlichen Situationen bei Haushunden vermuten. Letztlich sind ja Zusammenhänge zwischen Stresssystem und Schilddrüsenhormonbelastung auch beim Haushund bereits bekannt. (UG)