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Sture Hunde stereotypisieren mehr

Ein Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitseigenschaft Beharrlichkeit (= Persistenz), die durchaus auch als Sturheit bezeichnet werden kann, und dem Auftreten von Stereotypien in ungünstigen Haltungsbedingungen wurde für Labortiere, aber auch für Bären und andere Karnivoren in Zoos und vergleichbaren Haltungen bereits nachgewiesen. In einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung (Protopopova et al., Behav. Proc. 2014) wurde dieses nun auch an Hunden bestätigt. In zwei Vergleichsgruppen von jeweils 13 Hunden (eine Gruppe mit auftretenden Stereotypien, die Vergleichsgruppe mit Hunden der jeweils gleichen Rasse ohne Stereotypien) wurde zunächst trainiert, mit Hilfe einer Nasenberührung, eine Hand des Experimentators zu berühren. Danach begann die Extinktionsphase, in der keine Futterbelohnung für diese Übung mehr geboten wurde. Dabei zeigte sich, dass die Hunde der Gruppe mit Stereotypien im Durchschnitt 26 Mal die Übung vollführten, bevor die Extinktion deutlich wurde. Hunde ohne Stereotypien berührten die Hand des Experimentators ohne Belohnung im Durchschnitt nur 13,4 Mal.

Zugleich ergaben sich Rasseunterschiede: Die Hunde der Terriergruppe hatten im Durchschnitt eine geringere Zahl von Berührungen bis zum Beginn der Extinktion als Hütehunde, Meutehunde und eine als Arbeits- und Wachhunde bezeichnete Gruppe, der unter anderem Dobermänner angehörten. Bemerkenswert ist dabei, dass die rassetypische Anfälligkeit für Stereotypien (die bei Terrieren und Hütehunden verstärkt ist) offensichtlich nichts mit der rassetypischen Widerstandsfähigkeit gegen Auslöschungslernen und damit zum möglichen Behandeln der Stereotypie zu tun zu haben scheint. Rassen, die auf eine hohe Beharrlichkeit gezüchtet wurden, sind offensichtlich auch beim Auslöschungs- und Extinktionsprozess wesentlich widerstandsfähiger als Rassen, die eher auf eine schnelle Reaktion selektiert sind. Die Lerngeschwindigkeit beider Gruppen, der Stereotypiegruppe und der Kontrollgruppe, war nicht unterschiedlich.

In der Extinktionsphase gab es zwar leichte Unterschiede zwischen den auftretenden Stereotypie- und Zwangsstörungformen, diese waren jedoch statistisch nicht signifikant. Am beharrlichsten zeigten sich Hunde mit einer Leckstörung, etwas kürzer war die Extinktionszeit für die Hunde mit Kreisel- oder Drehstereotypien und nochmals etwas kürzer diejenige von Hunden, die bevorzugt Lichtpunkte jagten.

Die Befunde lassen auch manche Praktiken zum Abgewöhnen von Stereotypien in einem neuen Licht erscheinen. Es zeigt sich also, dass auch bei völliger Wegnahme jeglicher, auch unbewusster Belohnungseffekte einem stereotypiesierenden Hund unterschiedlich schnell diese Gewohnheit abgewöhnt werden könnte. Unabhängig davon sind andere, hier nicht im einzelnen diskutierenden Maßnahmen Vorgehensweisen angebracht. (UG)