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Faszinosum Spürhunde

Bericht über Tagung zum Thema Odorologie im Diensthundewesen (Nasensymposium)

Am 11. und 12. September 2013 fand im Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf das erste Symposium über die Anwendung von Personenspür- und anderen Nasenhunden im Bereich der Diensthundearbeit statt. Die Verhandlungsberichte werden als Buch veröffentlicht werden, Hinweise auf die Bestellmöglichkeiten sowie weitere Informationen zum Symposium werden sich demnächst auf der Webseite der AG Odorologie finden. Im Folgenden sollen jedoch einige, für die Hundewelt allgemein interessante Ergebnisse kurz referiert werden. Dies geschieht nicht in systematischer Reihenfolge, vielmehr in Folge der gehaltenen Vorträge um auf das Auffinden im Programm auf genannter Webseite zu erleichtern.

Die Teilnehmer kamen aus dem Bereich Justiz, wobei sowohl Staatsanwälte als auch Verteidiger zu Wort kamen, Diensthundewesen verschiedener Landes- und anderer Polizeibehörden, Rettungshundeorganisationen, sowie aus veterinärmedizinischer, biologischer und chemischer Forschung.

Bemerkenswerte Ergebnisse über die Leistungsfähigkeit von Hundenasen wurden von mehreren Referenten vorgestellt. So berichtete Dr. Schröder vom Institut für Messtechnik der Technischen Universität Hamburg Harburg über seine ersten Untersuchungen, in der Atemluft von Krebspatienten spezielle, Krebs anzeigende Substanzen nachzuweisen. Es gelang ihm nach vielerlei Versuchen, eine Gruppe von Substanzen zu identifizieren, die in höherer Konzentration chemisch instabil sind, daher auch mit klassischen Nachweismethoden meist untergehen, jedoch in niedrigen Konzentrationen offensichtlich als deutliche Hinweise für Krebs erkranktes Gewebe gewertet werden können. Die Konzentration, bei der Hunde diese Geruchsstoffe noch nachweisen können, liegt weit unter der Nachweisgrenze der derzeit üblichen laboranalytischen Verfahren. Es handelt sich dabei um sogenannte Fentogrammbereiche, 10 hoch minus 15 als Größenordnung. Zum Vergleich schilderte er, dass dies der Verdünnung entsprechen würde, wenn er einen Würfel Zucker im gesamten Hamburger Hafenbereich auflöst. Die chemische Messanalytik dagegen beruht auf Nachweisgrenzen, die etwa einen Würfel Zucker im Bereich der Binnen- und Außenalster gemeinsam bedeuten würden. Interessierte mögen sich auf einem Hamburger Stadtplan über die Größenverhältnisse der beiden genannten Flächen orientieren.

Ein Vortrag, der von der Hamburger Polizei und dem Institut für Rechtsmedizin gemeinsam vorbereitet und dargestellt wurde, bezieht sich auf die Fähigkeit von Leichenspürhunden. Hierbei wurden Leichen, die mehrfach in trockene sterile Bettwäsche eingewickelt waren und frisch tot waren, auf Teppichstücken abgelegt, und die Leichenspürhunde der Hamburger Polizei konnten die betreffenden Teppichstücke im Vergleichstest noch nach acht Monaten (nicht aber mehr nach zehn Monaten) eindeutig von anderen Teppichstücken unterscheiden. Auch hier war, solange dem betreffenden Chemiker keine einschlägigen Vorinformationen gegeben wurden, mit klassischer Messanalytik auf den betreffenden Teppichstücken keinerlei deutliche oder gar identifizierbare Einzelsubstanz nachweisbar. Der Vortragende, Polizeidirektor Querdzuweit, räumte zudem ein, dass die Leichenspürhunde als Malinois möglicherweise noch geringere Leistungsfähigkeiten aufbringen als dies beispielsweise ein Schweißhund oder Bluthund tun würde. Trotzdem sind die Ergebnisse eindeutig beeindruckend.

Von verschiedenen Referenten wurden Anforderungen an die Sicherung von Beweismitteln als Geruchsspuren und an die Durchführung von Personenspüraktionen, sogenannte Mantrails, in der Kriminalistik formuliert. Hierbei handelt es sich jedoch mehr um juristisch-polizeitaktisch relevante Informationen, die auch auf den einschlägigen Webseiten abgerufen werden können. Bemerkenswert war eine Darstellung des schottischen Referenten Dr. Tom Middlemas, der zusammen mit einem Kollegen von NSARDA, der Nationalen Such- und Rettungshundeorganisation Großbritanniens referierte. Eine besonders interessante Aussage betraf dabei die Vorbildung beziehungsweise Vorerziehung der bei ihnen ausgebildeten Hunde. Er betonte ausdrücklich, dass er keine Obedience im Sinne der klassischen Gehorsamsausbildung und Gehorsamsprüfung will, sondern stattdessen etwas, was er als Leadership Training, also als Vermittlung von Führungskompetenz seitens des Menschen und der damit verbundenen Orientierungs- und Bindungsarbeit bezeichnet. Seiner Ansicht nach sind Hunde, die in der klassischen Gehorsamsausbildung stehen, im Zweifelsfalle nicht in der Lage, sich bei Meinungsverschiedenheiten gegen den Hundeführer durchzusetzen, wenn es zum Beispiel um korrektes Anzeigen und Verfolgen von schwierigen Spuren geht.

Im Institut für Reproduktionsbiologie und Fortpflanzungsmedizin der Tierärztlichen Fakultät in Berlin werden Hunde derzeit zur Erkennung des Brunstzustandes von Kühen in großen Stallanlagen ausgebildet. Die Hunde sollen in der Lage sein, aus dem Speichel von Kühen eindeutig den richtigen Fortpflanzungszustand zu identifizieren, bei dem dann eine künstliche Besamung sinnvoll ist. Die Referentin, Frau Dr. Fischer-Tenhagen stellte die dafür verwendete Trainingsapparatur vor, bei der die Hunde mit vier Duftstoffröhrchen, eines davon mit der Positivprobe, und einem Klickerapparat ausgebildet werden. Von noch größerem Interesse war das anschließende Referat ihrer Mitarbeiterin Dorothea Johnen, die in einem Literaturüberblick die Qualität der wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema Geruchsdifferenzierung und Geruchstraining beziehungsweise Testung von Spürhunden zusammenstellte. Insgesamt konnten von ihr 14 Studien ausgewertet werden, wobei nur etwa acht dieser Studien mit wissenschaftlich exakten Methoden, statistischen Überprüfungen, sowie dem eigentlich dringend erforderlichen Doppelblindtest (bei dem weder der Hundeführer noch die Versuchshelfer über die korrekte Lage der Positivspürproben Bescheid wissen) durchgeführt wurden. Die Prozent Richtigwahlen waren bei diesen Untersuchungen zwischen 88 und 100%, die Prozent richtigen Negativanzeichen bei 91 bis 100%. Ersteres, die Prozent richtig erkannter Positivproben wird als Sensitivität, letzteres, die Prozentzahl richtig verweigerter Negativproben als Spezifität bezeichnet. Als wichtige Anforderungen an eine korrekte wissenschaftliche Dokumentation und Veröffentlichung von Arbeiten zum Thema Training und Testung von Geruchsspürhunden nannte sie die Veröffentlichung des Trainingsplans, die Veröffentlichung der Trainingsdauer, den Doppelblindversuch bei der Testung, eine genaue Beschreibung der Proben, eine statistisch zufällige Präsentation der Proben bei der Testung, sowie das für jeden Test neue Proben verwendet werden. Die Verwendung der gleichen Proben, die bereits im Training angeboten wurden, dann beim Test erneut, stellt eine sogenannte Pseudoreplikation dar, und ist daher nicht als unabhängiger Test der Leistungsfähigkeit des Hundes geeignet. Über die Verwendung von Pheromonen in der verbesserten Trainings- und Ausbildungssituation sowie über einige allgemeine Aspekte des Gedächtnisses referierte Dr. P. Piturru am Nachmittag des ersten Tages. In Bezug auf die allgemeine Gedächtnisbildung referierte er unter anderem Befunde von C. Alberini, wonach ein bestimmter Wachstumsfaktor im Gehirn, nämlich IGF2, die Gedächtnisleistung steigert. IGF2 kommt vorwiegend in den für die emotionale Steuerung bekannten Regionen des Mandelkerns (Amygdala) und dem Hippocampus vor. Bei Gedächtnistraining in ruhiger Umgebung steigert sich belegtermaßen die Konzentration von IGF2. Sodann referierte nochmals für die Teilnehmer die bereits veröffentlichten Befunde verschiedener Arbeitsgruppen, wonach beispielsweise das Tragen von Pheromonhalsbändern bei Welpen in der Welpengruppe eine bessere Konzentration, ein leichteres Lernen, und auch noch Monate später eine insgesamt stabilere und Stress resistentere Persönlichkeitsstruktur ermöglichte. Auch eine Anwendung des Pheromons in der Ausbildung der Österreichischen Polizeidiensthunde stellte er kurz vor, bei denen die Hunde (aus welchem Grund auch immer das dort für nötig erachtet wird) während der Ausbildung vom Hundeführer getrennt im Zwinger gehalten werden, und eine erhebliche Reduzierung von Stress anzeigenden Verhaltensweisen nach Einsatz von DAP gezeigt werden konnte.

Es ist beabsichtigt, eine ähnliche Veranstaltung auch in Zukunft in regelmäßigen Abständen abzuhalten, um Wissenschaftler, Juristen, Polizei- und Rettungshundepraktiker zu einer gemeinsamen Sicht und zur gemeinsamen Vorgehens- und Handlungsweisen zu bewegen.

Udo Gansloßer

Udo Ganslosser