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Feuerwerksstress auch bei Kojoten

Die Aussage, dass Stressreaktionen von Haustieren nach Feuerwerk und ähnlichen, durch menschliche Aktivitäten verursachten Störungen überwiegend eine Reaktion auf die Verhaltensänderungen der menschlichen Besitzer wären, findet sich öfter in der verhaltenstherapeutischen Literatur. Hinweise auf Feuerwerksprobleme bei Wildtieren sind in der Tat sehr selten, gerade in jüngster Vergangenheit wurden von uns im Rahmen der Bewertung von Feuerwerksaktivitäten für Zootiere einschlägige Untersuchungen angestellt. Es gibt nahezu keine Literaturangaben dazu, die Beobachtungen an den Zootieren zeigten in der Regel eine sehr gelassene bisweilen sogar ignorierende Reaktion. Nur wenige Arten zeigten kurze, und dann auch keineswegs panische Reaktionen. Kein Vergleich also mit den Daten von Hunden und Hauskatzen.

Trotzdem lassen anekdotische Beobachtungen von Haustierhaltern/innen erwarten, dass es sich nicht nur um eine Reaktion auf die menschlichen Verhaltensänderungen handelt. Gerade bei Feuerwerk und Gewitter ist oftmals die ständig ändernde Lautstärke, Tonqualität und Richtung aus der die jeweiligen Lärmereignisse kommen, für den Hund noch ein zusätzlicher Stressor. Umso bemerkenswerter ist nun eine Studie, die gerade im Journal of Mammalogy (J. Mammal. 94 (5), 1131–1140, 2013) veröffentlicht wurde. Ein Autorenteam rund um Christopher Schell von der Universität von Chicago hat in einer Zuchtstation des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums sechs männliche und sechs weibliche Kojoten untersucht. Bestimmt wurde der Glucocorticoid- (also Cortisol-) gehalt im Kot und dabei wurden u.a. tagesperiodische Unterschiede sowie die Reaktion auf zwei vom Menschen verursachte massive Störungen registriert. Die Störungen bestanden zum einen aus einem großen Ventilator, der zu Kühlungszwecken am Eingang des Zwingerareals aufgestellt wurde, zum einen wurde die Reaktion auf die Feuerwerke und Umzüge während eines Nationalfeiertages registriert. In allen Fällen wurden leider keine Verhaltensbeobachtungen angefertigt, es wurden lediglich die Hormonbestimmungen in den Kotproben vorgenommen.

Bemerkenswert ist einerseits, dass sich ein deutlicher tagesperiodischer Unterschied in den Cortisolwerten ergab. Die Werte am Vormittag lagen bei männlichen wie weiblichen Tieren wesentlich niedriger als diejenigen in der Mittagszeit, am frühen Abend waren die Werte bei den Rüden noch höher als Mittags, bei den Fähen dagegen wieder niedriger. Es scheint also einen Geschlechtsunterschied in der Tagesperiodischen Cortisoländerung zu geben. Die Reaktionen auf die Einführung des Ventilators zeigten einen deutlichen Anstieg im Cortisolgehalt des Kots, bei den meisten Tieren lag dieser im Durchschnitt beim etwa fünffachen des Normalwerts. Allerdings waren auch zwei Tiere dabei, bei denen sich überhaupt keine Änderung ergab und der Höchstwert war ein 16 facher Anstieg. Die Reaktionszeit lag bei zwischen 9 und 24 Stunden. Auch bei den Paraden und Feuerwerken des Pioniertages (zu beachten ist, dass die Feuerwerke über das ganze Wochenende durch privat Abbrennen von weiteren Feuerwerkskörpern anhielten) gab es Anstiege durchschnittlich über das Fünffache des Normalwertes. Hier war der höchste Wert ein 18-facher Anstieg, jedoch gab es auch hier mehrere Kojoten, die den Wert nur verdoppelten oder sogar auch eine Fähe, die gar keine Veränderung zeigte. Es zeigt sich also, dass Feuerwerke, Umzüge und Baumaßnahmen durchaus Stressoren darstellen, die selbst ein so anpassungsfähiges Wildtier wie den Kojoten (der bspw. ohne weiteres in Vorstädten und anderen menschlichen Ansiedlungen vorkommt) beeindrucken. Zugleich ist damit belegt, dass Feuerwerke sehr wohl für Tiere eine Belastung darstellen können, je nach Lage und Entfernung von der Quelle des Lärms sind die Reaktionen allerdings deutlich unterschiedlich. Auch bei Kojoten gab es die deutlich erkennbaren individuellen Unterschiede, die ja auch viele Hundehalter in Mehrhundehaltung berichten. [UG]