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Nicht immer sind die Kleinen einfacher

Eine Arbeitsgruppe von Professor Paul McGreevy (PLOS ONE 2013, 8 (12): e80529), Universität Sydney in Australien, verglich 49 Rassen unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Gewichts bzgl. einer ganzen Reihe von Verhaltenseigenschaften. Dabei zeigte sich generell, dass für viele, eher unerwünschte Verhaltensweisen, bspw. Besteigen von Menschen oder Objekten, Furcht vor Hunden, Trennungsprobleme, nicht sozialer Furcht, Aggression gegen Halter und aufmerksamkeitsforderndes Verhalten, ein negativer Zusammenhang mit der Körpergröße=Schulterhöhe besteht. Das bedeutet, je kleiner der Hund, desto größer die Wahrscheinlichkeit dass er solche Probleme zeigt. Lediglich der Persönlichkeitsfaktor Trainierbarkeit nahm bei den kleinen Hunden deutlich zu.

Auch im Zusammenhang mit dem Körpergewicht gab es starke negative Zusammenhänge zwischen Erregbarkeit, Hyperaktivität und dem Gewicht. Kleine Hunde sind also häufiger erregbar und häufiger hyperaktiv. Gerade der Zusammenhang mit der Erregbarkeit ist auch durch einige molekularbiologische Auswirkungen der genetischen Wachstumsbremse bereits in früheren Veröffentlichungen andiskutiert worden.

Auch mit der Schädelform gab es einige Zusammenhänge, wobei hier die Verhältnisszahl zwischen Schädelbreite und Schädellänge als Maß genommen wurde. Jagdverhalten, Furcht vor Fremden, dauerndes Bellen und Futter stehlen beim Menschen korrelierten mit der Schädellänge direkt, d.h. je länger der Schädel, desto häufiger diese Probleme. Die meisten anderen Verhaltensprobleme, auch hier wieder Besteigen von Menschen und Objekten, Furcht vor Hunden, Trennungsprobleme, nicht soziale Furcht, Aggression gegen den Halter, Futterbetteln und Urinmarkieren korrelierten mit der zunehmenden Schädelbreite, d.h. das kurzköpfige Hunde diese Verhaltensweisen häufiger im problematischen Umfang zeigten.

In den Schlussfolgerungen der Arbeit wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bisher nicht bekannt ist, in welchem Zusammenhang die genannten Verhaltenseigenschaften mit der Größe und der Schädelform stehen. Ob es sich dabei um Umwelteinflüsse, um unterschiedliche Erziehungsstile, um genetische Zusammenhänge oder um zufällige Nebenprodukte einer ansonsten geänderten Körperform handelt, kann beim derzeitigen Stand noch nicht erkannt werden. Umso wichtiger, so betont auch das Autorenteam, ist es jedoch, dass bei der Selektion auf morphologische Extremtypen, weit vor der Grenze der Qualzucht, besonderes Augenmerk auf Verhaltenseigenschaften gelegt werden müsste.

Udo Gansloßer

Udo Ganslosser