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Wer wedelt denn da?

Die Richtung des Schwanzwedelns sagt bei Hunden einiges über Ihre Emotionen und Absichten. Bereits 2007 zeigte ein Autorenteam um Angelo Quaranta (Quaranta et al, Curr. Biol. 17, R199–R 201), dass Hunde beim Anblick ihres Halters mehr nach rechts wedeln, beim Anblick eines selbstsicheren fremden Hundes mehr nach links. Wedeln nach rechts ist also (so hoffen wir für die jeweiligen Halterinnen) eher mit Freude und Annäherung, Wedeln nach links mit Rückzugstendenzen verknüpft.

Aber was bedeutet es für einen Hund wenn ein anderer rechts oder links wedelt? In einer Fortsetzung, nun veröffentlicht von Marcello Siniscalchi et al. (ebenfalls von der Veterinärfakulät Bari) wurden Hunden Videoaufnahmen von wedelnden Artgenossen oder Schattenrisse von wedelnden Hundesilhouetten gezeigt und die Herzschlagrate aufgezeichnet. Wedelte der Video-Hund nach links, so stieg die Herzrate und der Hund zeigte mehr ängstliches Verhalten. Wedelte er nach rechts, so stieg die Herzrate nicht. Videohund und Schattenriß zeigten keine unterschiedliche Wirkung. Bemerkenswert ist, dass ein stillstehender Hund mehr Erregung erzeugte als ein rechtwedelnder, aber nicht so viel wie ein linkswedelnder.

Die gängige Interpretation besagt, dass die linke Hirnhälfte mehr für Annäherung und positive, die rechte für Vermeidung und negative Tendenzen zuständig ist – und die körperlichen Verschaltungen gehen ja bekanntlich im Gehirn über Kreuz, ein Rechtshänder wird ja auch von der linken Hirnhälfte gesteuert.

Udo Gansloßer

Udo Ganslosser