Einzelfelle Logo Tiermedizinische Beratung

An ihren Hormonen sollt ihr sie erkennen

In einer Untersuchung von zwei spanischen Arbeitsgruppen (Rosado et al 2010, Applied Animal Behaviour Science 123, 124–130) wurden Bluthormonuntersuchungen verschiedener Botenstoffe von aggressiven und nicht aggressiven Hunden miteinander verglichen. Am deutlichsten war, dass aggressive Hunde in der Regel niedrigere Konzentrationen des Serotonins aufwiesen als nicht aggressive, wobei Hunde mit defensiver Aggression am niedrigsten waren. Aggressive Hunde zeigten höhere Konzentrationen des Cortisols, und Rüden als ganzes hatten höhere Konzentrationen des männlichen Sexualhormons Dehydroepiandrosteron.

Für die genauere Betrachtung wurde das aggressive Verhalten der Hunde in mehrere Kategorien unterschieden. Hierzu gehörten die Formen Soziale Konfliktaggression (gegenüber menschlichen Familienmitgliedern), defensive Aggression gegenüber Unbekannten, offensive Aggression gegenüber Unbekannten, sowie eine Restkategorie „sonstige Formen“, diese beinhaltete sowohl medizinische Ursachen, aber auch bspw. Territorialverhalten und andere, nicht eindeutig zuordenbaren Formen des aggressiven Verhaltens.

Eine genauere Betrachtung zeigte folgendes:

Wie bereits erwähnt, war die Serotoninkonzentration bei aggressiven Hunden niedriger als bei der Kontrollgruppe, zwischen Rüden und Hündinnen gab es keinen Unterschied. Am höchsten war die Konzentration des Serotonins bei Hunden der Kategorie „andere Formen“, relativ hoch war sie auch bei offensiver Aggression, am niedrigsten bei defensiver Aggression.

Die Cortisolkonzentration unterschied sich nicht zwischen Rüden und Hündinnen, sie war am höchsten bei den aggressiven Hunden als Gesamtgruppe. Wurde die Aggression weiter aufgespalten, so war die Cortisolkonzentration am höchsten bei der Gruppe „andere Formen“, und als zweites folgte die Gruppe der Sozialen Konfliktaggression.

Wie nicht anders zu erwarten, war der Wert des Dehydroepiandrosterons bei Rüden höher als bei Hündinnen, innerhalb der aggressiven Gruppe zeigte sich der höchste Wert des DHEA bei der Form der offensiven Aggression, und geringere bei der defensiven bzw. noch geringer bei den „anderen Formen“.

Auch dies zeigt wieder, wie fatal es ist, wenn ein Hund wegen sogenannter Dominanzaggression kastriert wird, obwohl es sich dabei meistens um eine eher defensive oder aus Unsicherheit und Furcht resultierende Aggressivität handelt.

Eine weitere Studie, die ebenfalls in diesem Artikel zitiert wird, aus der Arbeitsgruppe Fatjo in Barcelona zeigt dann auch, dass es eine statistisch auffällige Koppelung zwischen defensiver Aggression gegen Menschen und defensiver Aggression gegen Hunde, sowie zwischen offensiver Aggressionen gegen Menschen und Intrasexueller Aggression gegen Hunde gibt.

Die genaue Betrachtung der biochemischen Hintergründe vor einer Manipulation des Hormonhaushalts und auch vor einschlägigen Trainings- und Erziehungsmaßnahmen wird durch diese Untersuchungen wieder einmal bestätigt.

Udo Gansloßer

Udo Ganslosser