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Rasseunterschiede und Altersentwicklung des Hilfesuchens bei Hunden

In einer kürzlich veröffentlichten Studie (Passalacqua at al., Anim. Behav. 82, 1043–1050, 2011) wird eine Untersuchung aus der Universität Mailand vorgestellt. Hundewelpen im Alter von 2 Monaten, 4½ Monaten und erwachsene Hunde aus drei verschiedenen Rassegruppen (Primitivhunde, Jagd und Hütehunde sowie Molosser) wurden einem Test unterzogen. Sie bekamen zunächst eine Versuchsapparatur, die sie durch eigenes Zutun öffnen und den darin befindlichen Leckerbissen entnehmen konnten. Nachdem sie diese Aufgabe dreimal erfolgreich gelöst hatten, wurde beim vierten Versuch die Apparatur blockiert, sodass die Hunde die Aufgabe nicht bewältigen konnten.

Beobachtet wurde nun, in welcher Art und Weise die Hunde mit dem dahinterstehenden Menschen Kontakt aufnahmen.

Während die 2 Monate alten Welpen kurz, aber ohne lange Intensität zum Menschen zurückblickten, zeigten die 4½-monatigen und die erwachsenen Hunde viel längere und intensivere Blickkontakte zum Menschen. Sie forderten damit offensichtlich die Hilfe des Menschen bei der Lösung des Problems an. Bemerkenswert ist, dass die Angehörigen der Jagd- und Hütehundrassen (Australian Shepherd, Border Collie, Golden Retriever und Labrador Retriever waren hier vertreten) schon als 4½-monatige, noch mehr als erwachsene viel stärker den Blick hilfesuchend zum Menschen zurückwarfen als die Angehörigen der Molossergruppe (zu der aus genetischen Gründen auch Deutsche Schäferhunde und Rotweiler gehörten) oder der Nordischen Primitivgruppe (Akita Inu, Malamut, Samojede und Sibirischer Husky).

Bei den erwachsenen Hunden waren neben den bereits genannten Rassen auch noch Dackel und Beagle vertreten, die ebenfalls in die Gruppe der Jagd- und Hütehunde eingeordnet wurden. Insgesamt nahmen 167 2 Monate alte, 54 4½ Monate alte und 172 erwachsene Hunde an der Untersuchung teil. Zur Auswertung kamen nur solche, die in der ersten Versuchsphase die Aufgabe erfolgreich gelöst hatten. Dies waren 97 2-monatige, 46 4½-monatige und 116 erwachsene Hunde. In der ersten Phase, in der die Hunde noch die Möglichkeit hatten, dass Problem zu lösen, ergaben sich keine Rasseunterschiede in der Erfolgsquote.

Demgegenüber, wie bereits erwähnt, sind die Rasseunterschiede nach der Konfrontation mit der unlösbaren Aufgabe erheblich. Die Untersuchungen zeigen, dass neben der allgemeinen Domestikationsgeschichte auch die spezifische Rassegeschichte und die Tätigkeit in bestimmten, besonders mit den Menschen kooperierenden Arbeitsbereichen offensichtlich die Fähigkeit zur Hilfeanforderung und zur intensiven optischen Kommunikation beeinflusst haben. (UG)