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Mitarbeiter des Monats

Mitarbeiter des Monats, Herr Meier

Außerdem:

Udo Gansloßer © Ulla Bergob

PD Dr. Udo Gansloßer

Privatdozent für Zoologie
Filander Verlag GmbH

in Kooperation mit

Sophie Strodtbeck

Sophie Strodtbeck

Tierärztin


Auswirkungen des Halterverhaltens auf den Hund bei Konfrontation mit einem fremden Menschen

Petra Neessen hat 2013 in ihrer Masterarbeit an der schwedischen Landwirtschaftsuniversität in Skara verschiedene Formen der Reaktion des Hundehalters auf die Begegnung mit einem Fremden getestet und die Auswirkungen auf den Hund studiert. Hundehalter, die sich bei ihrer Begegnung mit dem Fremden passiv verhielten und den Hund ignorierten, förderten beim Hund insgesamt eher kühnes, vorwärts orientiertes Verhalten oder auch das Anschauen des Fremden und das abwechselnde Wegschauen. Eine stärkere Auslösung von aktivem Vermeiden, aber auch von Annährung an den Fremden war daher die Folge. Hundehalter, die aktive Unterstützung, also durch Berührung und/oder Ansprechen des Hundes boten, hatten bei allgemein im Verhaltensprofil unauffälligen Hunden eher den Erfolg, dass der Hund sich am Halter orientiert. Aktive Unterstützung verringerte also bei „normalen“ Hunden das Ausmaß von Konfliktverhalten gegenüber dem sich nähernden Fremden. Bei als aggressiv oder furchtsam eingestuften Hunden dagegen verstärkte die aktive Unterstützung des Menschen eventuell vorhandene einschlägige Verhaltenstendenzen des Hundes. Zudem war die Persönlichkeit des Hundehalters wichtig. Extrovertierte und/oder gewissenhafte Hundehalter reduzierten das Ausmaß des Konfliktverhaltens des Hundes, aktive Unterstützung durch introvertierte oder wenig gewissenhaftige Hundehalter verstärkte das Konfliktverhalten des Hundes. Hunde von freundlichen Haltern (hier war die Freundlichkeit zum Menschen als Persönlichkeitsachse gemeint) wurden mit zunehmender Wiederholung des Tests immer erregter und zeigten ein hohes Ausmaß an Vermeideverhalten. Hunde von neurotizistischen Hundehaltern zeigten mehr Furcht und Hunde von eher verschlossenen Menschen reagierten insgesamt weniger ruhig und gelassen auf die annähernde Fremdperson. Hundehalter, die ein starkes und gutes emotionales Band zu ihren Hunden zu Protokoll gaben, konnten durch aktive Unterstützung die Konfliktreaktionen des Hundes stärker dämpfen als Hundehalter, die ein schwächeres emotionales Band zu ihrem Hund angaben. Hundehalter, die ihren Hund als sehr kostspielig einstuften (was ebenfalls ein Hinweis auf eine eher qualitativ weniger wertvolle Beziehung ist), konnten durch ihre aktive Unterstützung des Hundes ebenso sein Konfliktverhalten weniger reduzieren als solche, denen der Hund die Kosten wert schien.

Die Untersuchung zeigt also, dass in Begegnungssituationen aktive Unterstützung seitens des Hundehalters durchaus eine positive Auswirkung haben kann, lediglich bei einigen, bereits in den Verhaltenstendenzen ohnehin „unerwünscht“ reagierenden Hunden müsste eventuell eine andere Strategie benutzt werden.


Geschlechtsunterschiede beim Problemlösen

Ein Autorenteam um Charlotte Duranton (J. Comp. Psychol. 129,84-87, 2015) lies insgesamt 24 Hündinnen und 23 Rüden verschiedener Rassen eine Box öffnen, um eine darin befindliche Futterbelohnung zu erhalten. Der Versuch wurde dreimal wiederholt, und die Latenzzeit bis zum erfolgreichen Öffnen der Box wurde aufgenommen. Beim ersten Versuch waren die Rüden statistisch signifikant schneller und damit erfolgreicher in der Bewältigung der Aufgabe. Diese Geschlechtsunterschiede wurden jedoch umgekehrt, wenn man die Daten der beiden folgenden Versuche betrachtete. Dann waren die Hündinnen erfolgreicher, das heißt schneller als die Rüden. Die Autorinnen interpretieren dies so, dass Rüden offensichtlich insgesamt etwas schneller in der sogenannten physikalischen Kognition, also im Umweltverständnis sind, was durchaus mit Daten anderer Säugetiere übereinstimmt. Die Motivation beider Geschlechter, so betonen sie, war wohl gleich. <hier könnten wir durchaus vermuten, dass insgesamt, wie er auch in anderen Studien am Hund vorgeschlagen wird, der Rüde tendenziell etwas mehr A-Typ Eigenschaften hätte.> Die Hündinnen dagegen sind offensichtlich besser in der Lage, schnell und erfolgreich ihre dann gefundene Strategie zu verbessern, und daher bei der Wiederholung des Tests insgesamt erfolgreicher.


Neues zum Sozialmanagement durch Versöhnung und Besänftigung bei Wölfen

Giada Cordoni und Elisabetta Palagi haben bereits mehrfach in der Vergangenheit über Versöhnungsverhalten sowie über den Einfluss der unterstützenden und tröstenden Interventionen dritter, unbeteiligter Wölfe berichtet. In einer neuen Arbeit (Aggressive Behavior 41, 526–536 2015) haben sie neue Erkenntnisse über die Verhaltensmechanismen bei Gehegewölfen aus einem italienischen Wildpark vorgelegt.

Es wurde deutlich unterschieden zwischen Einwirkungen unbeteiligter Dritter an einem Konflikt auf den Sieger bzw. auf den Verlierer der vorangehenden aggressiven Interaktion. Offenkundig werden die Wölfe, die mit dem Sieger bzw. dem Verlierer nach dem aggressiven Konflikt freundlich interagieren, von unterschiedlichen Handlungsbereitschaften angetrieben. Ein freundliches Verhalten gegenüber dem Opfer der vorangehenden Aggression hilft offensichtlich, dieses vor erneuten Attacken seitens des vorigen Aggressors zu schützen, und kann zusätzlich zu einer Verstärkung und Verbesserung der positiven Beziehung zwischen dem Opfer und dem tröstenden unbeteiligten Dritten führen. Freundliches Verhalten gegenüber dem Angreifer der vorangehenden Konfliktsituation dagegen schützt offensichtlich einerseits den Zuschauer davor, selbst Opfer vor Aggressionen des vorangehenden Angreifers zu werden, und hilft auch anderen unbeteiligten Dritten, diese umorientierte Aggression nicht erdulden zu müssen.

Die genannten Aktivitäten fanden allesamt im Zeitraum von ganz wenigen Minuten nach dem ursprünglichen Konflikt statt, und es wurden bewusst Handlungen, die nicht freundliches, sondern submissives Verhalten beinhalteten, nicht gewertet. Tatsächlich wirkte ein freundliches Verhalten eines unbeteiligten Außenstehenden gegenüber dem Opfer der ursprünglichen Attacke durchaus als Schutz und verringerte bzw. verhinderte die Wahrscheinlichkeit erneuter Attacken. Je stärker die Bindung bzw. die Beziehung zwischen dem Opfer und dem unbeteiligten Dritter war, desto häufiger wurde das Opfer auch getröstet. Freundliches Verhalten gegenüber dem Aggressor dagegen war u.a. von dessen Dominanzstatus abhängig. Überwiegend ranghohe, vorangehend aggressiv gehandelte habende Wölfe wurden mit diesen freundlichen Verhaltensweisen besänftigt, bei freundlichen Verhaltensweisen gegenüber dem Opfer einer Attacke dagegen gab es keine Rangabhängigkeiten zu finden.

Die genannten Untersuchungen zeigen einmal mehr die Komplexität sozialer Mechanismen bei Hundeartigen und sind ein weiterer Beleg für die hochstehenden sozial kognitiven Fähigkeiten. Vergleichbare Ergebnisse wurden bisher nur von Schimpansen und Bonobus in der gleichen Ausführlichkeit gefunden. [UG]


Was ist besser – Beschäftigung oder Training?

Die Frage, ob zur Auslastung eines Hundes Trainingsmaßnahmen oder Beschäftigungsmaßnahmen im Sinne einer Verhaltensbereicherung (beispielsweise Futtersuchen, Intelligenzspiele, etc.) besser geeignet sind, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Belastbare Daten und ausführlichere Untersuchungen dazu dagegen fehlen.

Nun hat in einer vorläufigen Untersuchung an Wölfen in verschiedenen Nordamerikanischen Zoos eine Autorinnengruppe rund um Nicole Dorey (Zoo Biol, 34(6), 513-517) hier versucht, mit Hilfe einer „Befragung“ der betroffenen Wölfe selbst erste Daten zu gewinnen. Vier Wölfe insgesamt erhielten die Möglichkeit, selbst zwischen Training (im Sinne einer mit dem Menschen zusammen gestarteten Ausbildung neuer Tricks und neuer Beschäftigungsmaßnahmen) oder der Beschäftigung mit verhaltensbereichernden Maßnahmen (nämlich einem Futterball oder einem Reifen) zu wählen. Die Ergebnisse sind recht aufschlussreich. Zwei der vier Wölfe bevorzugten das Training mit dem Trainer, zwei die verhaltensbereichernden Stimuli aus der Umgebung. Nur einer der Wölfe hatte bei dieser Bevorzugung auch eine statistisch aussagekräftige Datenverteilung erreicht. Die Untersuchung zeigt also, dass auch diese Frage wohl nur individuell zu lösen ist, man sollte gegebenenfalls also den Hund selbst entscheiden lassen, ob er lieber Training im Sinne von Trick Dog und ähnlichen, mit dem Menschen gemeinsam gestarteten Aktivitäten vorzieht oder lieber eine Beschäftigung mit eigenen, für ihn zur Verfügung stehenden Intelligenzspielen und ähnlichen Gegenständen. [UG]


Warum Einzelfelle???

Verantwortungsvoller Umgang mit dem Hund – dazu gehört auch, sich von Extremen jeder Art bei der Ausbildung und Erziehung, wie auch bei der Zucht fernzuhalten. „Hier“ und „Nein“ sind ein Muss, alles andere ist „nettes Beiwerk“. Der Hund sollte nicht unter dem übertriebenen Ehrgeiz des Menschen leiden, er sollte nicht als Partner- oder Kinderersatz, oder gar als modisches Accessoire dienen müssen, und auch nicht als Sportgerät missbraucht werden. Bei der Erziehung sollte man nicht blind irgendwelchen selbsternannten Gurus hinterherlaufen, sondern vieles auch mal hinterfragen. Man sollte sich ein wenig mit der Biologie des Hundes und seinen Bedürfnissen auseinandersetzen, und manchmal einfach seinen gesunden Menschenverstand einsetzen. Für all das, was unsere Hunde uns geben, und wodurch sie unser Leben bereichern, sind wir ihnen das schuldig! [Weiterlesen]